Folge 6: Darmkrebs bei jungen Erwachsenen: Ursachen verstehen, Früherkennung verbessern – mit Prof. Dr. Hoffmeister
Shownotes
Willkommen zur sechsten Folge der dritten Staffel „Tatort Krebs“, dem Forschungspodcast der Nationalen Dekade gegen Krebs, einer Initiative des Bundesministeriums für Technologie, Forschung und Raumfahrt. In dieser Staffel stellen wir in kurzen To-Go-Folgen verschiedene Krebsforschungsprojekte aus dem Umfeld der Dekade vor.
Darmkrebs gilt häufig als Erkrankung des höheren Alters. Doch in den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Fälle bei jungen Erwachsenen gestiegen. Warum ist das so? Welche Risikofaktoren könnten eine Rolle spielen? Und wie kann Darmkrebs in dieser Altersgruppe besser vermieden und früher erkannt werden? Genau diesen Fragen widmet sich das Forschungsprojekt PEARL.
Im Gespräch erklärt Prof. Dr. Michael Hoffmeister vom Deutschen Krebsforschungszentrum, wie die Studie aufgebaut ist, warum dafür die Zusammenarbeit mit Kliniken in ganz Deutschland entscheidend ist und welche Rolle Risikofaktoren wie familiäre Vorgeschichte, starkes Übergewicht oder Diabetes spielen können. Außerdem geht es darum, wie Forschungsergebnisse möglichst direkt in Maßnahmen der Prävention und Früherkennung übertragen werden können.
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Vielen Dank fürs Zuhören. 👂
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00:00:05:
00:00:19: In dieser Folge geht es um das Forschungsprojekt PERL.
00:00:22: Hier untersuchen die Forscherinnen, warum Darmkrebs in den letzten Jahrzehnten häufiger bei jungen Erwachsenen auftritt – welche Vaktoren das Erkrankungsrisiko beeinflussen könnten und wie Darm Krebs in dieser Altersgruppe besser vermieden oder früher erkannt werden kann.
00:00:35: Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem familiäre Veranlagungen sowie Lebensstil- und Stoffwechsel bezogene Risikofaktoren.
00:00:41: Grundlage der Studie ist außerdem die enge Zusammenarbeit mit Kliniken in ganz Deutschland.
00:00:45: Darüber spreche ich heute mit Prof.
00:00:47: Dr.
00:00:48: Michael Hofmeister vom Deutschen Krebsforschungszentrum.
00:00:53: Wer sind Sie und was ist Ihr besonderes Talent?
00:00:56: Mein Name ist Michael HofMeister, ich bin Epidemiologe- und Gruppenleiter am deutschen KrebsForschungs Zentrum in Heidelberg Und ein besonderer Talent wäre vielleicht, dass ich in meiner Arbeit sehr ausdauernd bin Weil das ist erforderlich, wenn man wissenschaftliche Studien durchführt.
00:01:15: Dass man einen gewissen langen Atem hat, dass von Anfang bis Ende begleiten kann und auch bei Misserfolgen nicht aufgibt.
00:01:23: Was hat sie motiviert in die Krebsforschung zu gehen?
00:01:26: Das war tatsächlich ein bisschen Zufall weil ich habe eigentlich Ernährungswissenschaften studiert und wollte dann im Anschluss wissen wie das ganze Wissen generiert wird Und das hat mich dann in erster Linie in die Epidemiologie gezogen wo die meisten dieser Ergebnisse zustande kommen.
00:01:42: Und als ich angefangen habe, wurde ich Studienkoordinator in einer Studie zu Darmkrebs und so bin ich in die Krebsforschung gekommen und diese Studie begleite ich bis heute.
00:01:55: Es war so spannend und abwechslungsreich über die ganzen Jahre, dass es mich weiter gefesselt hat.
00:01:59: An welchem Projekt arbeiten Sie zur Zeit?
00:02:01: Und worum geht es?
00:02:03: Aktuell führen wir die PULT-Studie durch und das ganze PULP-Projekt umfasst noch ein bisschen mehr.
00:02:09: Hierbei geht es darum, dass wir schauen wollen wie kann man Darmkrebs bei jungen Erwachsenen besser vermeiden?
00:02:16: Besser früher kennen.
00:02:17: Darm Krebs bei Jungen Erwachsene ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten angestiegen.
00:02:21: Die Ursachen hierfür sind noch nicht ganz klar.
00:02:23: Und wie sind angetreten mit dem Pollprojekt eben Antworten auf diese Frage zu bekommen?
00:02:29: Warum bekommen mehr junge erwachsene Darmkrebs?
00:02:33: Welche Ursachen gibt es?
00:02:34: Wie kann man das ganz gut vermeiden?
00:02:36: Was macht Ihren Forschungsansatz oder Ihre Methodik besonders oder neuartig?
00:02:40: Unser Ansatz ist deswegen neuartigt, weil wir eine der Ersten waren, die jetzt gezielt eine Studie aufgesetzt haben zu diesem Thema.
00:02:48: Das heißt als die Förderung durch das Bundesministerium bestartet ist, als wir uns darauf beworben haben war das Thema sehr, sehr neu und noch nicht vielbar bekannt.
00:02:58: Und das heißt hier waren wir einer der ersten Forschungsgruppen, eine Studie hierzu aufgesetzt haben.
00:03:06: Die Förderung ist hier besonders hilfreich, weil sie aber einen längeren Zeitraum uns erlaubt Forschung zu betreiben – das ist ganz wichtig wenn man ein Studium aufbaut.
00:03:15: Das braucht mehrere Jahre insbesondere bei einer selbenen Erkrankung wie eben Darmkrebs bei jungen Erwachsenen und deswegen sind wir hier denke ich besonders und werden auch neuartige Ergebnisse liefern können.
00:03:30: Was sind bisher Ihre wichtigsten Erkenntnisse und Erfolge im Projekt?
00:03:34: Also, ein großer Erfolg ist erstmal diese ganze Studie auf den Weg gebracht zu haben.
00:03:38: Weil dadurch dass es eine seltene Erkrankung ist können wir nicht in ein zwei drei Kliniken auf die Patienten zugehen und diese versuchen zu rekrutieren sondern wir arbeiten hier mit insgesamt aktuell hundertdreißig Klinik in ganz Deutschland zusammen.
00:03:51: das ein enormer Aufwand der hier betrieben wird, die entsprechenden Kliniken und die Ansprechpersonen dort angesprochen werden, mit der Bittessicher an unserer Studie zu beteiligen.
00:04:03: Also das überhaupt zum Laufen bekommen zu haben sehen wir schon als wirklich großen Erfolg!
00:04:10: Wir haben mittlerweile da sechshundert Patienten drin und ebenfalls auch sechsnart Vergleichspersonen – was heißt?
00:04:16: Das sind Leute, die keinen Darmkrebs haben in einer gleichen Altersgruppe so dass wir dann Risikofaktoren am Ende zwischen den beiden Gruppen gut vergleichen können.
00:04:25: Ansonsten haben wir bis jetzt ein Ergebnis aus diesem Projekt auch schon einige wissenschaftliche Publikation hervorbringen können.
00:04:33: Hier haben wir gesehen, dass es Sinn macht das Leute mit gewissen Risikofaktoren für Darmgräfs früher schon vielleicht eine Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen sollten.
00:04:41: normalerweise passiert es in Deutschland ab fünfzig Jahren aber wenn Leute zum Beispiel sehr übergewichtig sind wenn sie Diabetes haben wenn Sie eine familiäre Vorgeschichte haben dann wäre es anzuraten vielleicht doch schon früher eine solche Vorsorge und Untersuchung in Anspruch zu nehmen, weil eben früher ein ähnliches Risiko erreicht wird wie in der allgemeinen Bevölkerung mit fünfzig Jahren.
00:05:07: Zunächst betreiben wir Forschung die relativ translational ist.
00:05:12: das heißt Ergebnisse aus unserer Forschung können recht direkt auch in Maßnahmen im öffentlichen Gesundheitswesen über tragen werden.
00:05:21: Das ist schon mal ein großer Vorteil der epidemiologischen Forschung, ansonsten sind wir in engem Kontakt mit Patientenvertretungen.
00:05:28: Es sind Personen die sich in der Wissenschaft einbringen das heißt ihre eigene Sichtweise auch in die Forschung einbringen was sehr wichtig ist bei der Gestaltung von Fragestellungen auch bei Auswertungen und auch bei der Interpretation der Ergebnisse.
00:05:41: hier arbeiten wir wie schon gesagt eng mit Patienten vertreten zusammen aber auch zum Beispiel mit der deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs die uns hier auch immer wieder wichtige Einblicke mit auf den Weg gibt.
00:05:54: Hier diskutieren wir auch Forschungsergebnisse und zum Beispiel die Studie, als sie die aufgesetzt haben, haben wir das in enger Abstimmung mit dieser Stiftung
00:06:03: gemacht.".
00:06:04: Welche nächsten Schritte stehen an?
00:06:05: Und worauf freuen Sie sich besonders?
00:06:08: Ganz besonders spannend wird es wenn wir jetzt den ersten Datensatz erstellen.
00:06:12: da sind wir gerade dran.
00:06:13: Das heißt wir haben mittlerweile sechshundert Patienten, sechshundart Kontrollpersonen In der Studie rekrutiert, die Studie läuft auch noch weiter.
00:06:21: Aber wir werden einen ersten Datensatz jetzt erstellen um ganz konkret Analysen anzugehen und das wird natürlich sehr, sehr spannend zu sehen was wir da herausfinden können.
00:06:33: hoffentlich viel Neues und Hilfreiches was uns bei der Vermeidung von Darmkrebs bei jungen Erwachsenen helfen wird.
00:06:39: Inwiefern hilft es ihrer Sicht die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen in der Krebsforschung?
00:06:43: Das ist absolut essentiell in unserer Forschung.
00:06:47: Das heißt, wir als Epidemiologen könnten ja diese Studienart gar nicht alleine durchführen.
00:06:50: Wir sind hier auf die Mitarbeit von Klinikern und Gastroenterologen angewiesen, die hier beteiligt sind – nicht nur bei der Rekrutierung sondern eben auch bei der Gestaltung von Fragestellungen inhaltlichen Themen allgemein.
00:07:04: Das heisst das was für den Praktikern sozusagen lernen, was wichtig ist zu erforschen, das nehmen wir natürlich mit!
00:07:13: Andererseits arbeiten wir ganz intensiv mit Bio-Statistikern zusammen, mit KI Forschern und Experten zum Mikrobiom.
00:07:21: Das heißt, wir sind hier extrem interdisziplinär aufgestellt und das ist wirklich sehr wichtig weil die Expertise aus diesen ganzen Disziplinen macht es erst zu einer letztlich wichtigen Fragestellung wenn da verschiedene Meinungen reinkommen und verschiedene Expertisen.
00:07:37: und eben auch muss man sehen wenn man zum Schluss die Ergebnisse interpretiert so immer wichtig, auch die Perspektive aus anderen Bereichen mitzubekommen.
00:07:46: Auch unter anderem von den Patientenvertretern ist es an dieser Stelle auch sehr wichtig weil jeder nochmal ein bisschen anders drauf guckt und man so auch ganz gut ausschließen kann dass man wichtige Aspekte vergisst.
00:07:58: Welche Rolle spielt die Forschungsförderung im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs für ihr Projekt?
00:08:03: Also das ist natürlich toll, dass das BMFDR hier eine solche langfristige Förderung aufgesetzt hat.
00:08:10: Wenn man eine epidemiologische Studie aufsetzen und durchführen will, so dauert es mehrere Jahre.
00:08:16: Das kann man mit kurzen Forderungen nicht bewältigen.
00:08:20: Wir sind hier auch solche Fördermittel angewiesen, dass wir das über einen langen Zeitraum durchhalten können.
00:08:25: So gesehen ist es ohne die Forschungsförderung aus der nationalen Dekade von dem FTR wäre das alles gar nicht
00:08:32: möglich.".
00:08:33: Was möchten Sie Menschen mitgeben, die sich für Krebsforschung interessieren oder selbst betroffen sind?
00:08:38: Also für Leute, die sich für eine Arbeit in der Krebsforschung interessieren kann ich nur sagen es ist ein extrem spannender Arbeitsbereich.
00:08:46: Es ist einen extrem wichtiger Arbeitsbereich.
00:08:49: das heißt man hat hier mit Fragen zur Identifikation mit seinem Job oder so kein Problem das zu beantworten sondern weiß ganz genau wofür man's tut.
00:08:58: also dass ist etwas wo ich sagen würde die intrinsische Motivation immer extrem hoch Und das ist wirklich spannend, weil man hier noch extrem vielen machen kann.
00:09:09: Wir sind noch nicht so weit, dass hier alle Krebsarten vermeiden können – bei Weidmann noch nicht!
00:09:14: Hier wird es noch Jahre dauern bis wir hier große Fortschritte machen werden in manchen Bereichen und das ist wichtig mit größter Motivation heranzugehen um dieses Forschungsgebiet weiter nach vorne zu bringen.
00:09:29: Zum anderen, Leute die betroffen sind.
00:09:31: Den kann man mit auf den Weg geben, dass es wichtige Informationsköln gibt wo man sich informieren kann, wo es die beste Versorgung gibt auch andere Fragen wo es vielleicht Selbsthilfegruppen gibt.
00:09:41: Wir haben hier am Deutschen Krebsforschungszentrum den Krebsinformationsdienst.
00:09:46: der steht mit Rat und Tat bei allen Fragen rund um Krebs zur Seite nicht nur für Betroffene sondern auch für Angehörige.
00:09:53: Und bei allen fragen ist das die richtige Adresse.
00:09:56: Das könnte ich auch noch mit auf dem Weg geben.
00:09:59: Das war Tatort Krebs To Go.
00:10:01: Vielen Dank für das Gespräch!
00:10:02: Wenn Sie keine Folge der dritten Staffel verpassen wollen, abonnieren Sie gerne und hören sie auch mal in unsere bisherigen Folgen rein.
00:10:08: Weitere Informationen finden Sie in den Shownotes.
00:10:11: Ich bin Marlene Schäfer, Podcast-Hose der Nationalen Dekade gegen Krebs Und ich sage vielen Dank fürs Zuhören.
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