Folge 9: Brustkrebs-Langzeittherapie besser anpassen – mit Kathrin Thedieck, Christiane Opitz und Cindy Körner | BALANCE

Shownotes

Willkommen zur neunten Folge der dritten Staffel „Tatort Krebs“, dem Forschungspodcast der Nationalen Dekade gegen Krebs, einer Initiative des Bundesministeriums für Technologie, Forschung und Raumfahrt. In dieser Staffel stellen wir in kurzen To-Go-Folgen verschiedene Krebsforschungsprojekte aus dem Umfeld der Dekade vor.

Die häufigste Brustkrebsform bei Frauen ist der Hormonrezeptorpositive Brustkrebs. Viele Patientinnen können erfolgreich mit einer Therapie behandelt werden, die den Krebszellen die Hormonsignale zum Wachsen entzieht. Gleichzeitig leben immer mehr Langzeitüberlebende mit den Folgen ihrer Erkrankung und Therapie. Dazu können Nebenwirkungen wie Fatigue, neuropsychiatrische Symptome, Stoffwechselstörungen oder eine deutlich eingeschränkte Lebensqualität gehören.

Genau hier setzt das Forschungsprojekt BALANCE.ET an. Im Gespräch erklären Prof. Dr. Kathrin Thedieck von der Universitätsmedizin Essen, Prof. Dr. Christiane Opitz vom Deutschen Krebsforschungszentrum und Dr. Cindy Körner, Wissenschaftlerin und Patientenvertreterin, wie das Projekt molekulare Ursachen für Rückfälle und Langzeitfolgen besser verstehen möchte. Im Fokus stehen Stoffwechselprodukte, die in Körperflüssigkeiten gemessen werden können und künftig dabei helfen sollen, das individuelle Risiko von Patientinnen besser einzuschätzen.

Ziel von BALANCE.ET ist es, die Therapien langfristig individueller anzupassen: Welche Patientinnen brauchen eine längere oder intensivere Behandlung? Wie lassen sich Lebenszeit und Lebensqualität besser in Balance bringen?

Wir freuen uns sehr über Ihr Feedback und Bewertungen über die Podcast-Plattformen und über unsere LinkedIn-Seite: @Nationale Dekade gegen Krebs.

Vielen Dank fürs Zuhören. 👂

Transkript anzeigen

00:00:05:

00:00:18: In dieser Folge geht es um das Forschungsprojekt Balance-IT.

00:00:21: Das Projekt beschäftigt sich mit dem Langzeitüberleben nach Hormonrezeptor positiven Brustkrebs.

00:00:26: Viele Patientinnen werden mit einer Antihormontherapie behandelt, diese Therapie kann sehr wirksam sein ist für viele Betroffene aber auch mit belastenden Nebenwirkungen verbunden.

00:00:36: Bellens IT untersucht, warum es während oder nach der Therapie zurückfällen kommen kann und welche Faktoren mit langfristigen Nebenwirkungen zusammenhängen.

00:00:45: Dafür werden unter anderem Stoffwechselprodukte in Körperflüssigkeiten analysiert.

00:00:49: Ziel ist es das individuelle Risiko von Patientinnen besser einzuschätzen und Therapien künftig gezielter anzupassen.

00:00:56: Darüber spreche ich heute mit Professor Dr.

00:00:59: Kathrin Tedig, Dr.

00:01:00: Christiane Opitz und Dr.

00:01:02: Cindy Körner.

00:01:03: Stellen Sie sich doch einmal vor!

00:01:05: Mein Name ist Katrin Tedig und ich leite die Abteilung für Stoffwechsel, Seneszenz & Autophagie an der Uniklinik Essen.

00:01:13: Ich bin Biochemikerin und mein Forschungsschwerpunkt ist auf dem Tumorstoffwechsel bei Brustkrebs- und anderen Krebsarten als Ansatzpunkt für neue Diagnostikmethoden und neue Therapieansätze.

00:01:27: Mein Name ist Christiane Uppitz, ich bin Ärztin und Zellbiologin.

00:01:31: Ich leite am Deutschen Krebsforschungszentrum eine Abteilung, die sich mit dem Stoffwechsel von Krebs beschäftigt und den Wechselwirkungen mit Antitoumore immun antworten.

00:01:41: Antitour-Immunantworten sind Reaktionen des Immunsystems auf den Krebs.

00:01:48: Wenn das Immunystem also die Krebszellen als fremd erkennt dann kann es die zerstören.

00:01:54: Wenn Krebs ausbextut, ist das leider nicht.

00:01:57: Aber unser Ziel ist es, Mechanismen zu hemmen die daran hindern dass das Immunsystem den Krebs erkennen und bekämpfen kann.

00:02:05: Mein Name ist Cindy Körner und ich bin Biologin am Deutschen Krebsforschungszentrum arbeite in der Breustrebsforschung und habe vor sechs Jahren ungefähr selber eine Brustkrebsdiaglose bekommen und engagiere mich seitdem, zudem eben in der Patientenbeteiligung zum einen im Nationalen Zentrum für Tumorerkrankungen.

00:02:25: Und eben auch im Projekt Balance IT wo ich jetzt als Wissenschaftlerin und als Patientenvertreterin kombiniert mit arbeite was natürlich ein bisschen ist wie Weihnachten und Ostern zusammen für mich.

00:02:39: Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen in ganz Deutschland und in Österreich arbeiten wir am Balance IT-Projekt.

00:02:47: Balance-IT beschäftigt sich mit dem Langzeitüberleben nach Hormonrezepter positiven Brustkrebs.

00:02:54: Das ist die häufigste Krebsart bei Frauen und das ist erfreulicherweise so, dass siebzig Prozent von ihnen nach Endocrinotherapie geheilt werden.

00:03:06: Das bedeutet aber im Umkehrschluss auch, dass wir eine steigende Anzahl von Langzeitüberlebenden haben, die mit den negativen Auswirkungen ihrer Tumorerkrankung und ihrer Therapie leben müssen.

00:03:19: In Balance-ET wollen wir die molekularen Ursachen für Rückfälle während und nach der Therapie, und für die negativen Langzeitauswirkungen besser verstehen – und wir möchten in der Folge moleklare Marker, die wir in Körperflüssigkeiten messen können entwickeln mit denen wir das individuelle Risiko jeder Patientin bestimmen können die Dauer und die Dosierung der Therapie individuell anpassen.

00:03:49: Was macht Ihren Forschungsansatz oder Ihre Methodik besonders oder neuartig?

00:03:53: Prinzipiell

00:03:53: eignen sich Stoffwechselprodukte sehr gut für Diagnostik aus Körperflüssigkeiten, zum einen weil sie sehr stabil sind und zum anderen weil Sie teilweise auch schon in der klinischen Diagnostic etabliert sind.

00:04:06: Von der analytischen Seite sind wir von daher schon sehr nahe an der Translation unserer Ergebnisse in die klinische Anwendung.

00:04:13: Was sind bisher Ihre wichtigsten Erkenntnisse und Erfolge im Projekt?

00:04:16: In Balance IT sind wir gerade erst am Anfang.

00:04:19: Und von daher stehen unsere wichtigsten Kenntnissen natürlich noch aus, Wir starten aber schon mit starken Vordaten aus Langzeitbrust-Tripskorotten in unser Projekt.

00:04:31: Da haben wir zum Beispiel gesehen das Stoffwechselprodukte die wir im Blut messen können, schon bei Diagnose oder während der ersten fünf Jahre der Therapie mit späteren Rückfällen von Langzeitüberlebenden korrelieren und sie von daher vorhersagen können.

00:04:49: In Balance-IT möchten wir jetzt diese Ergebnisse weiter validieren, und erweitern auch weitere Metabolitenklassen.

00:04:59: Und wir möchten außerdem untersuchen ob solche Stoffwechselmarker es uns auch erlauben vorher sagen zu den Langzeitnebenwirkungen von endokrien Therapien zu machen.

00:05:11: Da geht es zum Beispiel um Auswirkungen wie Fatigue, neuropsychiatrische Symptome oder auch Stoffwechselstörung.

00:05:24: Da würde ich vielleicht so von der persönlichen Erfahrung her anfangen.

00:05:29: Ich bin ja selber Brustkrebspatientin und hab selber Endocrine Therapie, also Antihormontherapie eingenommen Sicht als Wissenschaftlerin eben erwartet, dass das sehr gut verträglich ist.

00:05:44: Weil man das in Publikationen immer so liest.

00:05:46: also diese endocrine Therapien sind sehr gut verträglich und habe dann selber festgestellt und weiß auch von ganz vielen anderen, dass es nicht das ist was wir als Patientinnen erleben.

00:05:58: Also dass wir das ganz anders erleben und dass wir unsere Lebensqualität schon sehr beeinträchtigt sehen durch die verschiedenen Nebenwirkungen.

00:06:08: Dafür ist eben das Balance-IT-Projekt kann da sehr wichtig sein, wenn wir herausfinden können wie wir Patientinnen besser einteilen können in welche die eben diese endocrine Therapie länger und intensiver nehmen müssen oder für die es eben reicht sie kürzer einzunehmen oder diese relativ sicher auch früher abbrechen können zum Beispiel.

00:06:28: Und dadurch Ja, sagt ja auch schon der Name Balance.

00:06:33: Versuchen wir eben Lebensqualität und Lebenszeit miteinander ins Gleichgewicht zu bringen, also dass die Patientinnen dann mit möglichst guter Lebensqualitet möglichst sicher leben können.

00:06:45: Welche nächsten Schritte stehen an?

00:06:46: Und worauf freuen Sie sich besonders?

00:06:49: Wir sind gerade an einem ganz tollen Punkt angekommen.

00:06:53: Wir haben die ganzen Ethik-Anträge und Vorbereitungen hinter uns die Proben zu messen, also die Stoffwechselmoleküle in den Proben analysieren und außerdem schicken wir auch die Fragebögen an die Patientinnen raus um nach der Lebensqualität zu fragen.

00:07:15: Inwiefern hilft das Ihrer Sicht die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen?

00:07:19: Die Zusammenarbeit verschiedenen Disziplin ist wirklich zentral in der Krebsforschung.

00:07:24: Sie haben ja schon daran gesehen, dass wir hier zu dritt den Podcast machen.

00:07:28: Dass wir sehr interdisziplinär sind aber es sind nicht nur wir drei sondern noch viele weitere.

00:07:34: Wir haben also eine Epidemiologin und Statistikerinnen in unserem Konsortium ein Datenwissenschaftler und KI-Experten einen Biobankexperten Ärzte aus Dresden und Innsfrog Und auch dort Biobankexperten und zusätzlich die Patientenvertreterinnen mit auch ganz unterschiedlichen Expertisen.

00:08:00: Da haben wir zum einen die biowissenschaftliche Expertise von Frau Körner, aber auch Psycho-onkologische und Psychologische- und Kommunikationswissenschaftliche-Expertisen.

00:08:11: Nur diese Mischung zusammen macht es wirklich möglich dass wir Balance IT aus so vielen Perspektiven erfolgreich Meistern können.

00:08:21: Welche Rolle spielt die Forschungsförderung im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs für ihr Projekt?

00:08:27: Die Forschungsförderung der nationalen Dikade ist wirklich zentral für unser Projekt, ohne diese Förderung wäre das Projekt nicht möglich.

00:08:35: aber auch darüber hinaus sind langfristige Förderungen wie zum Beispiel in des Deutsche Konsortium für transnationale Krebsforschung und auch das nationale Zentrum für Tumorerkrankungen essentiell weil hier durch auch langfristige Dinge aufgebaut werden können, wie beispielsweise Biobanken die über eine lange Zeit Patientenproben verfolgen und solche Projekte überhaupt erst möglich machen.

00:09:03: Innsbruck ist für uns ein ganz besonderer internationaler Partner, weil hier die Patientinnen im Gegensatz zu in Deutschland jährlich noch in die Klinik kommen um elf Jahre hinweg Patientenproben haben, die wir analysieren und mit der Lebensqualität in Verbindung bringen können.

00:09:23: Was möchten Sie Menschen mitgeben?

00:09:25: Die sich für Krebsforschung interessieren oder selbst betroffen sind?

00:09:28: Oh, das sind ganz viele Sachen!

00:09:30: Also für die, die sich für die KrebsForschung Interessieren würde ich sagen eben weil ich das nicht wusste damals oder mich darüber nachgedacht habe damals dass sie eben frühzeitig anfangen sollen in Kontakt zu treten mit Betroffenen also dass sie alle Möglichkeiten nutzen sollen über Selbsthilfegruppen, über die Patientenbeiräte der einzelnen Einrichtungen oder vielleicht auch zunehmend auf Konferenzen wo immer mehr Patienten vertreten vor Ort sind.

00:10:01: Da wirklich ins Gespräch zu kommen mit Patientinnen und Patienten von der Krebsart über die sie forschen möchten um einfach ein Gefühl dafür zu bekommen.

00:10:09: was ist denn da für die Betroffenen wirklich wichtig?

00:10:11: also in welche Richtung sollte die Forschung gehen?

00:10:15: Was ist gerade wichtig?

00:10:17: Und für die Betroffenen würde ich sagen, bei Balance IT geht es ja auch ganz viel darum eben eigene Entscheidungen treffen zu können.

00:10:25: Dafür ist diese verlängerte endocrine Therapie jetzt nötig.

00:10:29: oder welches Medikament sollte ich am besten nehmen von der endocrinen Therapie?

00:10:34: und das setzt halt ganz viel voraus dass sich die Betroffene dazu bereit sind sich selber damit auseinanderzusetzen auch selber Entscheidungen treffen möchten was für sie am besten ist, also was ihre Prioritäten sind.

00:10:49: Was für Sie einfach jetzt wichtig ist in der Behandlung und da möchte ich Betroffenen mitgeben dass es einfach frühzeitig sich darüber Gedanken machen wie sie Ihre Behandlungen selber mit beeinflussen können durch eigene Entscheidungen und dadurch das sie sich selber mit

00:11:07: einbringen.".

00:11:08: Das war Tatort Krebs to Go!

00:11:10: Vielen Dank für das Gespräch.

00:11:12: Wenn Sie keine Folge der dritten Staffel verpassen wollen, abonnieren Sie gerne und hören sie auch mal in unsere bisherigen Folgen rein.

00:11:17: Weitere Informationen finden Sie in den Show-Notes!

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